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Das neue stern FOTOGRAFIE widmet seine Ausgabe Nr. 56
dem japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki und präsentiert eine Auswahl seiner
Bilder. Araki ist in Japan ein anerkannter Mann und zweifellos der berühmteste
Fotograf des Landes. Es ist schwer, das umfangreiche Lebenswerk Arakis mit
Begriffen europäischer Fotografie zu erklären. Nichts davon würde die fast
manische Bildfängerei des 69-Jährigen erklären, der über 300 Fotobücher
veröffentlicht hat und auf dessen Nachttisch, wie er sagt, immer eine Kamera
liegt.
Arakis Bildsprache ist japanisch – technisch, ästhetisch und inhaltlich. Sie
ist verwurzelt in der japanischen Kultur des 20. Jahrhunderts, dem rasenden
Wandel der Gesellschaft und der Nivellierung sozialer Strukturen. Arakis
Fotografie ist keine lange, bühnenhafte Inszenierung, sondern ein stetiges,
schnelles Festhalten von Momenten. Viele seiner Bilder haben Schatten oder
Unschärfen, manche zeigen noch das eingeblendete Datum, sie wirken auf den
Betrachter wie Schnappschüsse, zufällig eingefangen. Die Botschaft seiner
Bilder komme von den Männern und Frauen, die er fotografiere, so Araki. Sie
drückten aus, was er sagen wolle. Und so entsteht, wenn man durch seine Bücher
blättert, so etwas wie eine melancholische Sozio-Fotografie eines Landes und
seiner Menschen.
Araki wurde 1940 als Sohn eines Schuhmachers im Tokioer Stadteil Minowa geboren
und wuchs in einer damals noch heilen Nachbarschaft auf. Minowa grenzt an den
Stadtteil Yoshiwara, Rotlichtszene der Stadt voller Bars, Stripclubs und
versteckter Bordelle. Dort begann er mit seiner ersten Kamera alles und jeden
zu fotografieren. Seine frühen Werke zeigen eine fast verschwundene Welt in der
bei ihm schon damals typischen Nähe: spielende Jungs auf den Straßen, Menschen,
wie sie Tür an Tür leben. Mit 19 begann Araki ein Studium der Fotografie an der
Universität in Chiba, 1963 hatte er seinen ersten Job bei der Werbefirma
Dentsu. Dort traf er Yoko Aoki, die seine Auffassung von Fotografie teilte und
die sein Lieblingsmodel wurde. 1971 heiratete er sie und machte aus den Bildern
der Hochzeitsreise das Buch "Sentimental Journey", das bis heute ein Klassiker
unter den Werken Arakis ist. Die Hardcover-Ausgabe der Foto-Edition ist ab sofort erhältlich.
(Quelle: GUJ, 09.06.2009)
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